Gästebuch
 

Wie alles begann

Elisha Gray. Invented the first synthesizer in 1874.Die frühesten Versuche, mittels elektrischen Stroms  Geräusche, Klänge oder gar Musik zu proudzieren gehen zurück bis ins Jahr 1874 und sogar noch davor. Dementsprechend gibt es eine lange Liste von Künstlern, Ingenieuren und Erfindern, die den Weg für die moderne elektronische Musik geebnet haben.

Beginnend mit Elisha Gray, der im Jahre 1874 das erste Konzert mit einem rein elektronischen Instrument gab, dicht gefolgt im Jahre 1898 von Thaddäus Cahil, der das sogenannte Dynamophon erfand. 1905 der Komponist Edgar Varése, Leon Theremin im Jahre 1919 … und viele weitere in allen noch folgenden Jahren. Einige dieser frühen Erfindungen können noch heute als neu gebautes Instrument gekauft werden; so ist es z.B. möglich, ein neues Theremin zu erwerben. Klicken Sie -> hier, um die Entwicklungen aus dem Bereich der elektronischen Musik auf dem Zeitstrahl zu sehen.
 

Welche Rolle das für mich spielt

Eines schönen Tages in den späten 1970ern bin ich in die Gemeinde der Elektroniker eingetreten. Wie schon angemerkt wurde: ich sehe mich als Erzähler, ich erzähle musikalische Geschichten.

Hier nun können Sie herausfinden, wie es dazu kam und was genau ich meine, wenn ich hier über „musikalische Geschichten“ schreibe. Im zarten Alter von 15 oder 16 Jahren hatte ich die erste ernst zu nehmende Begegnung mit der Musik; ich wurde Gitarrist in einer Jugendband.  Wir nannten uns „Grease“ und haben einige Ohrwürmer dieser Zeit nachgespielt. – Ich jedoch wollte die Band lieber „Paralysis“ nennen,  und war völlig fasziniert von Pink Floyd (Meddle!). Also war ich eher der so genannten „psychedelischen“ Musik zugetan als der gängigen Musik aus den Charts. Mein Stil, die Gitarre zu spielen war ohnehin und von Anfang an ostinat und geprägt von kurzen, sich stets wiederholenden Tonfolgen die nur wenig Variation und Transponierung erfuhren. So gesehen war ich damals der Bio-Sequenzer dieser kleinen Band. Soweit ich mich erinnere hatten wir nur einen einzigen solbstkomponierten Song. Dieser nannte sich „Peoples Song“, und dauerte zwischen 20 und 40 Minuten – je nachdem zu welcher Gelegenheit die Aufführung stattfand. - So gesehen war ich vom ersten Augenblick (bzw. vom ersten Ohrenkontakt) mit elektronischer Musik offen für diese neuen Klangwelten. Hörbare Abenteuer im Weltall. Raumschiffe. Roboterklänge. Wissenschaft. Aliens. – Ich erzähle immer noch Geschichten über Raum und Zeit, über Sterne, Lichtgeschwindigkeit und Schwarze Löcher.

Klaus Schulze: Irrlicht. 1975Das entscheidende Erlebnis war eine Geburtstagsparty, auf der ich diese faszinierende Musik erstmals hören konnte … dies waren die beiden Langspielplatten Irrlicht und Timewind von Klaus Schulze. Von diesem Augenblick an war ich süchtig, wollte unentwegt solche Musik hören und wollte natürlich sofort wissen, wie man diese Klänge erzeugt.

Also begann ich erste Rechechen über diese exotischen, total fremdartigen Instrumente durchzuführen. Die trugen so klangvolle Namen wie SynthesizerVocoder oder Sequenzer. Schon kurz danach hatte ich - wie es der Zufall so wollte - den ersten direkten Kontat mit so einem Apparat.  Soweit ich mich erinnern kann, war das ein Crumar Compac. Erstmals hatte ich so ein Wunderding in Händen, ich konnte ausprobieren und herumspielen ... und nach einigen kurzen Filtersweeps war ich völlig infiziert vom elektronischen Bazillus. Bei diesem ersten direkten Kontakt wurde mir auch klar, daß es außer den riesigen und monströsen Modulsynthesizern diesr Zeit auch eine Reihe von kleineren Geräten gab, die einen eher erschwinglichen Preis hatten und auch klein genug waren, daß man sie in einem Bücherregal unterbringen konnte. Die Großen Modulsysteme von Moog oder Roland kosteten zu jener Zeit etwa so viel wie ein kleines Eigenheim. Da waren die kleineren Versionen echte Schnäppchen dagegen. Die kosteten nur etwa soviel wie ein nettes Auto.  
 

Elektronische Träume

Korg MS20 & SQ10 Sequencer (ca. 1978) Nur wenig nach meiner ersten Begegnung mit diesem Crumar-Synthesizer wurde ich auf das Synthesizerstudio Bonn und dessen Inhaber Dirk Matten aufmerksam. Dies war das weltweit erste und einzige Fachgeschäft für Synthesizer und deren Peripheriegeräte. Also machte ich mich auf nach Bonn, in einen kleinen Laden in der Franzstrasse. Während ich noch vor dem  Schaufenster stand lief mir sozusagen das Wasser im Mund zusammen … dort war die High-Society der Synthesizerwelt versammelt, und das in mehr als einer Hinsicht.

Zum Einen die Instrumente: Oberheim. (Unbezahlbar) … ein Roland System 100M (Jenseits von Gut und Böse) … ein Moog System 55 (Nur für Leute aus einer anderen Galaxis) … Ein Vocoder! Eine Multitrack-maschine! Ein Drumcomputer!  Zum anderen die Musiker: Tastenkünstler aller namhaften deutschen (und ausländischen!) Bands gaben sich die Klinke in die Hand … Kraftwerker, Grobschnitter … alle, alle, alle  waren sie dort Kunden.

Dirk Matten kam schnell auf den Punkt, wie es seine Art war: für einen Neuling und frisch Infizierten wie mich - ohne nennenswerte Barmittel und ohne eine zu erwartende signifikante Erbschaft - gab es zu dieser Zeit nur ein Heilmittel: Ein KORG MS20 mit Stepsequenzer SQ10. Aus dieser kleinen Kombination kam schon eine ganze Menge Musik ´raus. Das war Liebe auf den ersten Blick …äh … auf den ersten Ton! - BOING -  gekauft. Doch schon bald darauf war ich aufgrund meiner erwachten Sucht nach Klängen und Tönen gezwungen, mir einen polyphonen Synthesizer zu zulegen. So kam ein ARP Quadra zu meinem Gerätepark hinzu. Dies war einer der ersten polyphonen Synthesizer überhaupt. – Er konnte sehr schöne Klangteppiche erzeugen. Allerdings ging dafür ein kleines Vermögen drauf. Man erinnere sich: damals war ich noch Schüler!


Definition

Moog Modularsynthesizer. 1974Wie definiert man Elektronische Musik? Nun, an dieser Stelle möchte ich das Zentrum für Elektronische Musik (ZEM) zitieren:

Der Begriff 'Elektronische Musik' wird inzwischen von den verschiedensten Musikrichtungen benutzt, die in irgend einer Weise elektronische - oder elektroakustische Musikinstrumente benutzen. So ist die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes E.M. fast schon in Vergessenheit geraten. Heute wird E.M. gerne mit den popularmusikalischen Stilen wie die 'Berliner Schule' um Tangerine Dream und Klaus Schulze, Meditationsmusik, New Age, allgemeiner Synthesizermusik (Synthiepop) und den großen Bereich der Techno-Musik mit all ihren individuellen Stilen gleichgesetzt. Die Elektronische Musik im ursprünglichen Sinne jedoch ...

•    grenzt sich gegen die Musik aus mechanischen Musikinstrumenten ab
•    hebt den Klang gegenüber der Struktur und Form hervor
•    hebt die europäischen und außereuropäischen Ton-Skalen auf
•    hebt den metrisch geprägten Rhythmus auf

Da sich ... auf elektronischem Wege Klänge und Klanggestalten erzeugen lassen, welche die traditionelle Musik nicht kennt, und da allgemein die sinnvolle Anwendung elektronischer Klangerzeuger jenseits der Grenzen zu suchen ist, die den mechanischen Musikinstrumenten gesetzt sind, versteht man unter elektronischer Musik die neuartige, metamusikalische Klangwelt. (Herbert Eimert)

Meine Musik jedoch, die Form von Kompositionen, Songs und „Tracks“ die Sie auf diesen Seiten entdecken könne, ist in jeder Hinsicht eine Hybridform aus all dem bisher genannten: Zum größten Teil finden sich Harmonien der europäischen Tonskalen. Es gibt hin und wieder tanzbare Beats. Und es finden sich Klangelemente, die reale Instrumente nachempfinden. Dennoch sind all diese auf elektronischem Wege erzeugt (außer vielleicht ein paar Gitarreakkorden hie und da). - Viele meiner Kompositionen haben ein Struktur, entwickeln sich während Tonart und Tempo wechseln. Und sie enthalten Elemente der „klassischen Elektronischen Musik“  wie sie obenstehend definiert wurde; wo der Klang über der Struktur, dem Rhythmus oder der Tonleiter steht.

 
Einflüsse

Bevor die elektronische Musik populär wurde, gab es eine ganze Mange an "elektrischer" Musik. Bands, die das damals vorhandene Instrumentarium aus Orgeln, Gitarren etc. in innovativer Weise nutzten. Eine davon, die einen wesentlichen Einfluss auf mich ausgeübt hat, sind The Doors.

Riders On The Storm und The End waren wohl die ersten Stücke die ich je hörte, die mich beim hören in eine Art verzückte Trance gleiten liessen. Möglicherweise kam da bereits der erste Anstoß, mich für Repetitive Musik zu begeistern. In der Frühzeit der populären Elektronik gab es nur eine sehr kleine Anzahl von Künstlern, die sich diesem Thema verschrieben hatten. Es gab Klaus Schulze und Tangerine Dream; Kraftwerk und Amon Düül; Ashra und Can … all diese deutschen Pioniere waren für mich und unzählige Nachfolgende die Wegbereiter.



Trotz all dieser einzigartigen Künstler und Bands – von denen mich jeder auf seine individuelle Art beeinflusst hat – gehen die wohl tiefsten Einflüsse zurück auf Florian Fricke mit seiner Formation Popol Vuh und – natürlich – auf Pink Floyd mit den unvergleichlichen Alben Meddle, Dark Side of the Moon und Wish You Where Here. Obwohl sich meine eigene Musik sehr von Popol Vuh unterscheidet (letztere findet man heute  unter „Meditative Weltmusik“ rubrifiziert) haben mich die Werke von Popol Vuh sehr intensiv inspiriert. Unglücklicherweise verstarb Florian Fricke im Jahre 2001. Als meine Lieblingsstücke möchte ich auf „Höre der Du wagst“ und „Brüder des Schattens“ aus dem Album und Soundtrack „Nosferatu“ hinweisen.






Ein anderer bedeutender Einfluss geht zurück auf Manuell Göttsching mit der Band Ashra. Die Albums Correlations und Blackouts gehören zu meinen Langzeitlieblingen. Und (da ist er wieder!) – Klaus Schulze mit seinem Meisterstück „X“. - Obwohl diese Liste bereits reichlich lang ist, ist sie noch nicht zu Ende geschrieben. Die Elektronische Musik hat sich über die Jahre weiterentwickelt … die Zahl der Varianten und Variationen ist unüberschaubar geworden. Depeche Mode und andere Bands der Synth-Pop oder Synth-Rock-Ära … Taucher … ATB … Einflüsse sowohl aus der als auch auf die Rave- und Tanzszene. Und die Liste der „Elektroniker“ wird täglich länger. Alles beeinflusst sich gegenseitig. Elektronik ist überall.






Kooperation

Sequential Circuits Prophet 5 (ca.1979)Während all dieser Jahre habe ich nur ein einziges Mal den Versuch unternommen, mit jemandem zusammenzuarbeiten. Anfang der 80er Jahre war so etwas wie eine zaghafte Kooperation mit einem Freund in Sicht, der ebenfalls vom Elektronikbazillus befallen war. Er kaufte sich einige Synthesizer der damaligen Zeit: einen Minimoog, einen Prophet 5 und einen Oberheim OB2. – Alles in allem konnten wir einen ganz netten Sound erzeugen. Aber Oberheim, Moog, Korg, Roland, Arp … diese Marken waren nicht richtig kompatibel zueinander, und MIDI (der heute längst etablierte Standard zur technischen Kommunikation zwischen verschiedenen Synthesizern oder Computern) war zu dieser Zeit noch nicht erfunden. So scheiterten wir an den technischen Unzulänglichkeiten und am fehlenden elektronischen Bastler- und Löter-Know-How. Daher hat dieses Duo nur für einige wenige Sessions existiert.

Im Laufe der Zeit reiste ich immer wieder ins Synthesizerstudio Bonn zu Dirk Matten und ließ mich beraten. Jedes mal brachte ich irgend einen neuen Baustein – oder zumindest den Wunsch danach – mit. So kam ich in den Besitz einer TEAC 3440 Multirack-Bandmaschine, erstand ein D&R  6- Kanalmischpult; dadurch war ich erstmals in der Lage elektronische Klänge mit Akustischer Gitarre zu kombinieren.  Um das zu finanzieren mußte ich mich für eines meiner damaligen Hobbies entscheiden: Motorrad oder Synthesizer. Nun. Ich entschied mich für den Synthesizer.

Und dann erschien MIDI wie aus dem Nirwana … Endlich wurden die veschiedenen Geräte kompatibel zueinander. Synchronisieren von Sequenzen, austauschen von Triggersignalen und Kombinieren der Steuersignale war nun kein Problem mehr. Mein Jupiter 6 war einer der ersten Synthesizer, der mit diesem neuen technischen Wunder ausgestattet war. Also erstand ich als logische Konsequenz  einen Computer (Commoder C64 !) mit einem Sequenzermodul von Sequential Circuits. Dazu einen Sequenzer aus der deutschen Fricke-Famile (Model 505 ?) … und die Reise ins schöne Land der elektronischen Klänge ging weiter.  
 


Die stumme Dekade

Roland Jupiter 6 (ca. 1982) Während der späten 80er und zu anfang der  90er Jahre hat ich aus veschiedenen Gründen eine lange Kreativpause. Eine stumme Dekade, sozusagen. All meine Geräte wurden verkauft, bis auf einen verbleibenden Jupiter 6. Solch einen „alten“ Analogsynthesizer wollte Anfang der 90er niemand haben. Unverkäuflich.

Diese Pause währte fast 10 Jahre. Nach dieser langen Zeit stolperte ich irgendwann über meinen Jupiter, der wohlverpackt und gegen die Unbill der Feuchtigkeit gewappnet im Keller auf bessere Zeiten wartete. Aus einer Laune heraus hab´ ich ihn mal wieder ans Stromnetz angeschlossen und ein paar satte Filtersweeps herausgekitzelt. Sofort war sie wieder da, die Sucht.

Also entschloß ich mich, wieder etwas in Synthesizertechnik zu investieren. Die Preise dafür waren mittlerweile auf ein recht bezahlbares Niveau gefallen. – Man kann zwar potentiell immer noch den Gegenwert eines Eigenheims in Studiotechnik investieren; es ist abber mittlerweile auch möglich eine wohlklingende Ausrüstung anzuschaffen, ohne eine Hypothek auf´s Haus zu nehmen.

Nun; als eine der Folgen aus jenem denkwürdigen Moment der Wiederbelebung im Keller können Sie die vorliegenden Seiten im Weltnetz erkunden. Alles, was hier an Musik zu finden ist, stammt aus der Zeit nach der großen Pause. Unglücklicherweise existieren aus der Zeit davor nur einige wenige Bandspulen, welche ich jedoch nicht nutzen kann, da ich über keine Bandmaschine mehr verfüge. Vielleicht findet sich irgendwann eine Möglichkeit, diese alten Aufnahmen zu verwenden. 


Stil

Mein Stil? Keine Ahnung. Elektronischer Pop? Ambient? Downtempo? Chillout? Lounge? Spacerock? Ein klein wenig von allem. Ich nenne es „elektronische Erzählkunst“. Unbeschreiblich eben.


 
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